Rundblick

26. Februar 2021

Vier Wege aus dem Stress (Teil 3)

Heute möchte ich den dritten Ansatz zur Stressreduktion vorstellen. Hierbei geht es um das Mentale.

Speziell im Spitzensport wird mental seit Jahren spartenübergreifend gearbeitet, denn körperlich austrainiert sind die Top-Sportler alle. Der Wettkampf wird mittlerweile mit dem gewonnen, was zwischen unseren Ohren liegt. Dabei geht es nicht nur darum, die über Jahre antrainierte Leistung auf den Punkt abzurufen, sondern auch darum, Ruhephasen und Entspannungspausen einzulegen. Denn genau in diesen Ruhephasen findet die Leistungssteigerung statt, nämlich in der Regeneration.

Auch bei uns Nicht-Leistungssportlern kommen die Ruhephasen und somit die Regeneration häufig zu kurz. Wir sind mit vielen Dingen gleichzeitig beschäftigt, Hektik und Hetze ziehen sich durch den Tag und für Entspannung haben wir gerade überhaupt keine Zeit bzw. keinen Kopf. Vielleicht kennst du das? Da sich in der aktuellen Situation viele im Homeoffice befinden, sollte das eigentlich anders sein – die Praxis zeigt leider, dass dem nicht so ist.

Mach‘ es besser und fang‘ noch heute an, regelmäßig mentale Entspannungspausen in deinen Alltag einzubauen. Wie funktio­niert das in der Praxis?

Wichtig hierbei ist wieder einmal, die Zusammenhänge in unserem Organismus zu verstehen. Ein Gefühl ist, vereinfacht dargestellt, nichts weiter als ein bestimmter Hormoncocktail im Blut. Wenn wir auf einen Reiz von außen mit Angst reagieren, werden Angsthormone ausgeschüttet und wir empfinden ensprechend. Wenn wir unser Baby beim Mittagsschlaf betrachten, schütten wir Hormone für Glück und Liebe aus und em­pfinden diese Emotionen. Ohne Hormone keine Emotionen. Das gilt auch für das Thema Entspannung. Wenn wir beispielsweise in einem langersehnten Urlaub sind, in einer Hängematte am Strand liegen und den herrlichen Blick auf das Meer genießen, dann fühlen wir uns wohl und entspannt, weil gerade die entsprechenden Hormone in unserem Organismus kreisen.

Jetzt kommt das Interessante. Unser Organismus, genauer gesagt unser Unterbewusstsein, kann nicht unterscheiden, ob wir gerade live in den beschriebenen Situationen sind oder ob wir uns diese Situationen nur vorstellen. Wenn wir uns eine der Situationen ganz genau vorstellen, dann reagiert unser Organismus und fängt an, die entsprechenden Hormone auszuschütten – wir kommen in das Gefühl. Selbst wenn deine Kinder schon erwachsen sind, bekommst du ein Gefühl von Glück und Liebe, wenn du auf ein altes Foto stößt, das dein Baby beim Mittagsschläfchen zeigt. Du tauchst für einen kurzen Moment in die damalige Zeit ein. Das geschieht ganz automatisch, ganz gleich, ob Foto oder mental abgerufenes Bild.

Mach‘ dir diesen Zusammenhang zunutze und lege mentale Entspannungspausen ein. Ich sage immer: Lieber häufiger kurz, als selten lange. Fünf Minuten reichen schon. Schließe dazu deine Augen, atme gleichmäßig und tief und rufe dir ein Bild bzw. Bilder von deinem letzten traumhaft schönen Urlaub ab. Einem Urlaub, in dem du so richtig entspannt warst und dich wohlgefühlt hast. Gehe dazu die Details auf den unterschiedlichen Kanälen durch. Wie hat es dort ausgeschaut, was hast du gesehen? Was hast du an Geräuschen gehört? Hast du etwas gerochen oder geschmeckt? Und wie hat es sich ganz genau angefühlt? Mit je mehr Sinnen und Details du die damalige Situation wahrnimmst, desto besser tauchst du in das Gefühl von Entspannung ein. Je häufiger du das trainierst, desto einfacher und besser wird es. Das ist ein Grundgesetz des Trainings und gilt für alles!

Ich wünsche dir viel Spaß bei der Umsetzung, gerade in diesen Tagen, an denen Urlaub zu planen in ferne Zukunft rückt.

 

Frank Ritter

 

Frank Ritter
› Experte für Gesundheit und Stressmanagement
› Buch-Autor
› Ehemaliger Leistungssportler