Kirche

6. Januar 2026

Gold, Weihrauch und Myrrhe …

Pastor Fahrs Worte

Möglicherweise werden viele von Ihnen am Heiligen Abend wieder die Geschichte von der Herbergssuche in Bethlehem hören, von der Geburt im Stall, von den Engeln bei den Hirten – und möglicherweise wird so mancher Prediger, so manche Predigerin auch wieder fragen, was denn die mühsame Herbergssuche nach einer anstrengenden Reise mit weihnachtlicher Idylle zu tun hat. Die Frage ist berechtigt, genauso berechtigt wie der Wunsch, es zu Weihnachten friedlich, harmonisch, ja geradezu idyllisch haben zu wollen. Auf vieles freuen wir uns – und bei manchem fragen wir uns sicherlich auch: Muss das denn jedes Jahr wieder sein? Aber auch dabei hat jede Familie so ihre eigenen Traditionen.

Da das biblische Motto für das neue Jahr 2026 lautet: „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“, möchte ich an dieser Stelle die übliche Weihnachtsgeschichte einmal außer acht lassen – in den Kirchen wird sie angemessen bedacht werden – und drei andere Aspekte von Weihnachten ansprechen: Gold, Weihrauch und Myrrhe.

Gold – darunter können wir uns alle etwas vorstellen. Gold ist begehrt, der Goldpreis schießt durch die Decke. Der amerikanische Präsident vergoldet sich die Innenausstattung seines Regierungssitzes. Gold macht wichtig und suggeriert Ansehen und Macht. Goldene Uhren, die fünfstellig kosten, schwere goldene Ketten, dicke Armreifen, von Kronen und goldenen Kutschen gar nicht zu reden – alles das symbolisiert Reichtum, Macht, Ansehen und Überlegenheit.

Wenn nun hochrangige Vertreter aus dem Ausland kommen, gleichviel ob Könige, Magier, Wissenschaftler oder wer auch immer, und einem Baby in einem armseligen Stall, in einem Haus, einfachen Leuten auf jeden Fall, Gold mitbringen, dann ist das eine unerhörte Botschaft: Wir sind nicht die Könige, die Machthaber, die Reichen, die die Autorität haben, sondern du allein. Du bist unser König. Eine ungeheure Aussage.

Weihrauch – den benutzen wir nicht in unserer evangelischen Kirche. Einerseits schade, andererseits können nicht alle den Duft ertragen. Man weiß, dass er in römisch-katholischen Kirchen verwendet wird, und mittlerweile ist auch in der evangelischen pilgernden Gemeinde bekannt, dass es insbesondere in Santiago de Compostela ein ganz besonderes Weihrauchfass gibt, das zu besonderen Anlässen durch die gesamte Kirche schwingt – ein großartiges Ereignis. Aber was bedeutet es? In der Kirche wird Weihrauch verwendet, um damit die Gegenwart des Heiligen Geistes zu symbolisieren. Wenn nun die Fremden aus aller Herren Ländern dem Baby in Bethlehem so etwas mitbringen, tun sie es nicht, weil das Kind damit etwas anzufangen wüsste, sondern um auszusagen: Du bist beseelt durch den Heiligen Geist, in dir lebt Gott – du BIST unser Gott. Ein gewaltiges Bekenntnis.

Myrrhe – sie wird im Orient gebraucht, um Verstorbene einzubalsamieren. Damit kann ein Kind natürlich erst recht nichts anfangen, das wirkt geradezu makaber. Aber wenn die hochrangigen Fremden zusammen mit Gold und Weihrauch auch Myrrhe mitbringen, dann bekennen sie: Unser Gott, der Herrscher der Welt ist sterblich geworden, um seinen Kindern nahe zu sein.
Diese Nähe kann uns animieren, auf Machtansprüche, unsinnigen Reichtum und Verachtung einfacherer Leute zu verzichten. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Lasst euch von Gott erneuern!

Es grüßt sehr herzlich und wünscht eine beseeligende Advents- und Weihnachtszeit und Zuversicht im neuen Jahr

Peter Fahr, Pastor in Duvenstedt
(und auch ein bisschen in Tangstedt)

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