Schlusslicht

25. Oktober 2016

Grün – wohl nicht meine Farbe

Ja, ich gebe es zu: Ich bin bekannt für meinen braunen Daumen. Wenn Pflanzen zu mir gelangen, dann nur, um zu sterben. Und trotzdem habe ich dieses Jahr einmal versucht, so etwas wie Gartenarbeit zu verrichten.

Zunächst einmal Rasenmähen. Das geht ja noch: Viel kaputt machen kann man nicht, zudem sieht man am Ende, was man getan hat. Bleibt allerdings die Frage, warum die Halme an einer Ecke so sprießen, dass man mit dem Mähen kaum nachkommt, während nur wenige Zentimeter weiter sich bestenfalls trauriges Moos breit macht – egal, wie viel Dünger, Pflegemittel und Saatgut man dort verteilt.

Dann sind da noch die Unkräuter, die einen unwillkürlich zur Demut mahnen, beweisen sie doch, wie schnell sie die vermeintliche Zivilisation zurückerobern, wenn man nur einen Moment nicht aufpasst. Da hilft es oft nur noch,  das wilde Kraut zum erwünschten Bodendecker umzudefinieren und zu hoffen, dass die Nachbarn nicht meckern – und man nicht selbst im Liegestuhl von den Ranken erwürgt wird.

Dabei sind die harmlosen und oft gar nicht so hässlich anzusehenden Unkräuter oft sympathischer als die fiesen, mit Dornen und Stacheln versehenen edlen Gartenpflanzen, die jeden Moment der Unaufmerksamkeit nutzen, um aus dem Hinterhalt über jeden herzufallen, der sich in ihre Nähe wagt.

Kurz gesagt: Irgendwas wächst immer – nur nicht das, was man will und da, wo es soll. Sogar auf Betonplatten können sich Algen, Flechten und andere niedere Lebensformen ansiedeln – ein guter Vorwand, sich einen Hochdruckreiniger zu leihen und selbigen zu Leibe zu rücken.

Wer das noch nicht getan hat, dem sei gesagt: Von außen sieht das spaßiger aus. Wenigstens weiß ich jetzt, warum professionelle Anwender sich mit wasserfester Kleidung ausstatten, als ob sie sich auf eine Hochsee-Angeltour im Sturm begeben wollen. Andernfalls bekommt man nämlich eine Idee, wie sich das Ding aus dem Sumpf fühlen muss.

Beim Heckentrimmen geschieht das Übliche. Schlecht erreichbare Äste, störrische Kabel und schräge Leitern gehören dazu. Wenigstens haben sie auch diesmal nicht zur Inanspruchnahme der schon lange abgeschlossenen Unfallversicherung geführt. Dafür reicht das Kabel nun nicht mehr zum Rasenmähen in allen Ecken, weil es die Heckenschere wieder, nun ja, etwas verkürzt hat.

Da heißt es dann wieder: Schraubenzieher raussuchen, Stecker neu befestigen, Sicherung wieder aktivieren, weitermachen. Oder das Ganze zukünftig wieder von jemandem machen lassen, der sich damit auskennt.

Wulf Rohwedder