Schlusslicht

12. Juli 2016

Wenn jemand eine Reise tut…

schlusslicht… so kann er was erzählen. Leider, wie so manch ein Freund oder Familienmitglied nach der Rückkehr feststellen musste: Sie wurden unter dem Vorwand eines netten Abends eingeladen, um dann mit Kisten voller Dias, Videokassetten oder Fotoalben gequält zu werden. Dank Smartphones und sozialer Netzwerke sind solche Fotofolterabende auf dem Rückzug, da die meisten Aufnahmen in Echtzeit online landen, wo sie dann bequem ignoriert werden können.

Schön scheußlich hier.
Und doch müssen sich auch heute noch einige Menschen weiterhin vor Urlaubsbildern und -videos fürchten, denn viele
von diesen werden nur zu einem einzigen Zweck angefertigt: um zu beweisen, wie schrecklich die schönste Zeit des Jahres eigentlich war.

So landen die Beweise dann auf einschlägigen Online-Portalen, beim Anwalt oder Verbraucherschutz. Schließlich kann man so noch den einen oder anderen Euro vom Veranstalter zurückholen – und wofür hat man eigentlich diese teure Rechtschutzversicherung?

CSI Pauschalurlaub.
Seit Jahren machen es sogenannte professionelle Hotel- und Urlaubstester im Fernseh-Vorabend vor: Ausgerüstet mit Lupen, Glacéhandschuhen, Sonden und anderen beweissichernden Gerätschaften dringen sie im Hotel, Pool und Restaurant in Regionen und Ritzen vor, in die sich zuvor noch nie ein Pauschalurlauber gewagt hat – warum auch?

Dort finden sie dann oft Staub, Dreck, Flecken und ekliges Kleingetier, deren rückstandslose Beseitigung eigentlich jeder erwarten kann, der gleich mehrere Dutzend seiner mühsam ersparten Euros in das Super-Sonder-Last-Minute-Billigschnäppchen investiert hat. Üblicherweise folgt dann das öffentliche Beschämungsritual, das an einem gerade greifbaren Mitarbeiter kameragerecht statuiert wird.

Die Hobby-Urlaubsdetektive machen es ihnen dann am eigenen Urlaubsort prompt nach – und für so manchen wäre es eine große Enttäuschung, wenn man nichts finden würde, über das man sich aufregen kann. Das kann dann schon die ganze Erholung versauen! Alles sauber? Schade!

Zugegeben: Berechtigte Kritik sollte man anbringen. Wer aber mit der einschlägigen Geiz-ist-Geil-Attitüde in den Urlaub fährt, sollte mal darüber nachdenken, auf wessen Kosten solche Ramschpreise zustande kommen und was man vom Billigst-Angebot erwarten darf. Und dann bliebe noch die Frage, was eine Armee von Hygiene- und Qualitätsdetektiven wohl in den Küchen und Bädern der Schnäppchenjäger zutage fördern würde.

Wulf Rohwedder