Schlusslicht

12. Dezember 2018

Und plötzlich ist man weg…

Das letzte Wort hat Wulf Rohwedder

Hallo! Ja, da bin ich wieder. Genau genommen war ich gar nicht weg – zumindest nicht im realen Leben, aber irgendwie digital. Ein neuer Provider, ein paar Versäumnisse beim Umleiten der E-Mail, schon war ich partiell meiner virtuellen Existenz beraubt, für den Duvenstedter Kreisel und andere. So entstand die von beiden Seiten ungewollte Pause beim „Schlusslicht“.

Das ist natürlich ärgerlich. Auf der anderen Seite fiel es aber auch bemerkenswert wenig auf, dass meine Internetpräsenz irgendwie geringer wurde – und das, obwohl ich mir zeitgleich eine Diät beim Konsum der Inhalte aus sozialen Netzwerken verordnet hatte, aus zeitlichen
aber auch aus psychohygienischen Gründen: Keine Totalabstinenz, aber wenn man nicht jede Twitter-, Facebook-, Messenger- oder Newsfeed-Nachricht liest, reichte das schon.

Was ich dadurch sonst noch versäumt, verpasst, vermisst habe? Erstaunlich wenig. Was wichtig ist, das erreicht einen, mit wenigen Ausnahmen – siehe oben –
auch auf anderen Kanälen. Die sollte man deshalb auch pflegen. Auch wenn sie nicht immer am bequemsten ist, die direkte Kommunikation ist doch am nachhaltigsten und weniger beliebig.

Insbesondere in den dunklen Tagen steigt bei vielen jedoch die Neigung, sich wieder den leuchtenden Rechtecken zuzuwenden, insbesondere dann, wenn sie gerade noch neu unter dem Tannenbaum lagen. Schließlich könnten sie jeden Moment veralten – und sie nicht zu nutzen wäre ja auch ein Affront gegen den Schenkenden.
Wer von seinen Lieben mit einem Smartphone oder Tablet der neuesten Generation bedacht, der wird feststellen, dass die Geräte oft eine Funktion besitzen, die ihren Benutzern einen Spiegel vorhalten: Sie zeigen an, wie viel Zeit das menschliche Gegenüber mit dem Teil verdaddelt hat und wofür sie, nun ja,  genutzt wurde. Wenn die dicken Balken der Statistik aufpoppen, kann das schon recht aufschlussreich – und heilsam – sein.

Also – warum nicht mal nur Tannenbaum und Kekse statt Apps und Screens? Und muss es unbedingt ein Bildschirm sein: Auch dieses Jahr gibt es im Fernsehen wieder die Weihnachtsklassiker von Aschenbrödel über Immenhof und den Kleinen Lord bis, natürlich, Sissi. Die schaut man am besten zusammen auf dem Sofa mit jemandem, den man mag.

Wulf Rohwedder