Rundblick

3. September 2013

Ein heißer Abend im Max-Kramp-Haus

Deutliche Stellungnahme von Dennis Thering,Bürgerschaftsmitglied der CDU

Deutliche Stellungnahme von Dennis Thering,
Bürgerschaftsmitglied der CDU

Es ging hoch her am Abend des 5. August im Duvenstedter Max-Kramp-Haus, an dem die Bürgerinitiative (BI) gegen Fluglärm zu einer Podiumsdiskussion eingeladen hatte. Trotz geradezu tropischer Temperaturen strömten empörte Bürgerinnen und Bürger in solchen Mengen herbei, dass die vorhandenen Stühle nicht ausreichten und einige der rund 200 Zuhörer auf Tischen Platz nehmen mussten. Sie wollten ihrer Empörung über den unerträglichen Fluglärm Ausdruck verleihen und gleichzeitig von den versammelten Politikern erfahren, was diese zu tun gedächten, um die Situation zu ändern.

Die Initiatorin der BI, Frau Dörte Walberg, begrüßte zunächst alle Zuhörer und Teilnehmer der Podiumsdiskussion und dankte den Trägern des Max-Kramp-Hauses für die Bereitstellung des Raumes.

Und dann ging es los. Den Beginn machte ein sehr detaillierter Vortrag von Professor Dr. Greiser, der im Auftrag des Bundesumweltamtes die weltweit größte Studie über den Zusammenhang zwischen Fluglärm und Herz-Kreislauferkrankungen erstellt hat,  unter dem provokanten Titel „Fluglärm macht dumm, krank und arm“.  Die genannten Fakten wurden allerdings für die erhitzten Gemüter zu ausführlich und ohne direkten Zusammenhang zu der Hamburger Situation dargestellt, so dass die Ungeduld der Zuhörer, die auf den Beginn der Diskussion warteten, spürbar wurde.

Die Stimmung schlug dann jedoch eklatant um, als es direkt um die Belange der Zuhörer ging.

Zunächst formulierte die BI noch einmal ihre Ziele: die Rückkehr zu den lärmoptimierten Routen, Verzicht auf verkürzte An- und Abflüge und Gesundheit vor Wirtschaftsinteressen.

Der Reihe nach nahmen die Diskussionsteilnehmer dazu Stellung, wobei am deutlichsten die Position von Dennis Thering, Bürgerschaftsmitglied der CDU, hervorstach, der versprach, sich für ein Verbot der verkürzten An- und Abflüge einzusetzen, da auch er die Lärmbelastung als viel zu hoch empfindet. Zudem kritisierte er die DFS (Deutsche Flugsicherung), die nicht um Transparenz bemüht sei und gefordertes Zahlenmaterial nicht zur Verfügung stelle.

Im Prinzip schloss sich Dr. Andreas Dressel, Fraktionsvorsitzender der Hamburger SPD, dieser Meinung an, wies aber darauf hin, dass der Flughafen selbst durchaus ein gutes Verhältnis zu den Bürgern wünsche und den Forderungen der BI auch insofern entgegen gekommen sei, als er einen mobilen Lärmmesscontainer aufgestellt habe. Er verwies auf die geplante öffentliche Expertenanhörung, bei der er von der DFS mehr und konkrete Auskünfte erwartet.

Olaf Duge von den Grünen, der für die verhinderte Christiane Blömeke eingesprungen war, blieb in seiner Stellungnahme eher blass, forderte allerdings höhere Strafgebühren für verspätete Landungen.

Frau Sabine Wils von den Linken, Langenhornerin und im Europäischen Parlament im Umweltausschuss, unterstützte alle Forderungen, konnte allerdings in Bezug auf europäische Beschlüsse keine Besserungen in Aussicht stellen. Sie forderte die BI auf, weiter zu kämpfen, notfalls auch in Brüssel vorstellig zu werden und sich mit anderen großen Bürgerinitiativen gegen Fluglärm zu vernetzen.

Frau Dr. Gudrun Pieroh-Joußen, Leiterin der BSU (Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt) und damit auch Verantwortliche für den Lärmschutz, ist relativ neu im Amt. Sie zeigte sich um Transparenz bemüht und verwies auf öffentlich zugängliches Material zu Lärmschutzzonen im Internet.

Nach so viel Verständnis und  Zustimmung fiel die Position von Axel Schmidt, dem Leiter des Zentralbereiches Umwelt am Flughafen, diametral entgegengesetzt aus. Unter lautem Protest der Zuhörer vertrat er die Ansicht, dass sich nichts geändert habe, der Fluglärm gleich geblieben sei und es immer schon verkürzte Anflüge gegeben habe. Zu den geänderten Flugrouten, die in einem Protokoll der 194. Lärmschutzkommissionssitzung vom 12.06.2009 dokumentiert sind,  blieb er auch auf wiederholte Nachfrage die Antwort schuldig, meinte sogar, man hätte ihm dieses Protokoll im Vorfeld nennen müssen, damit er sich hätte vorbereiten können.

Die nachfolgenden Fragen oder Stellungnahmen der Zuhörer, die sehr vehement und emotional vorgebracht wurden, brachten die persönliche Wut und Verzweiflung deutlich zum Ausdruck.

Es bleibt festzuhalten: Die Politiker wollen sich für eine Verbesserung der Situation einsetzen und sehen die Lösung des Problems als überparteiliche Aufgabe an. Es wird eine öffentliche Expertenanhörung im Rathaus geben. Frau Dr. Pieroh-Joußen zeigt sich zur Zusammenarbeit bereit und fordert dazu auf, bei Bedarf anzurufen und sich zu informieren, Herr Axel Schmidt sieht im Grunde keinen Änderungsbedarf.

Die DFS, die verantwortlich für Flugrouten und verkürzte An- und Abflüge ist, hat die Einladung zu dieser Veranstaltung ohne Begründung abgelehnt. Die BI wird weiter wachsam bleiben!

 

Andrea Kluge