Kolumne

6. Mai 2015

Heimelige Grillabende

Kolumne von Vera Klose

Was steht an warmen Tagen in Skelettschürze im Garten ? Richtig – die Grillmeister in Küchenschurz mit mehr oder weniger merkwürdigen Abbildungen auf der Stoffbahn. Doch davon später mehr. Nun liegt es in der Natur des Beginns der wärmeren Jahreszeit, dass auch die Anzahl der Einladungen zu gemütlichen wie verräucherten Grillabenden zunimmt. Diese bieten dann des öfteren hinreichend Gelegenheit zu nachhaltigen Eindrücken. Fakt ist: In der mehr oder weniger komfortablen Freiluftküche haben grundsätzlich die Herren der Schöpfung das Sagen – und das unangefochten. Die Röstkünstler lassen sich nämlich in keiner Weise hineinreden, weder in die angemessene Vorbereitung des Grillgutes noch in die Grillerei selbst. Was uns, meine Damen, relativ entspannen sollte, dieses aber nicht tut. Denn wir haben die Aufgabe, für die Bereitstellung der kulinarischen Beilagenauswahl nebst Eindeckung des Tisches zu sorgen, vom Aufräumen ganz zu schweigen, während der Meister sich ausschließlich mit Aufstellung und Technik der Grilleinrichtung selbst befasst, dabei angemessen gekleidet in Latzschürze mit Motivabbildung – wahlweise gern mit Skelett- oder Muskelmann-Druck. Auch Schürzen mit unmissverständlichem Hinweis „Hier kocht der Chef“ werden gern vor Bauch und Brust gebunden, während die Gegend umfassend eingeräuchert wird. Denn die Entzündung der Feuerstelle beginnt sehr häufig mit stinkendem Spiritus, so dass die Nachbarn auch eine Weile gut davon haben. Ist das Befeuern erfolgreich beendet, werden Fleisch, Wurst und Fisch gewürzt wie geölt. Ein bescheiden vorgebrachter Einwand der Hausherrin, dass auf dergestalt vorbereitetem Gargut die Gewürze verbrennen und diese damit schwarz werden lassen, wird mit der unmissverständlich vorgebrachten Anweisung abgetan, sich bitte nicht in Dinge einzumischen, von denen man nichts versteht. Ok, ok, ok…..woraufhin sich die Hausherrin in aller Regel schlauerweise erst intensiv ihrem Getränk und dann den Gästen widmet. So hat jeder seine Ruhe. Vorerst !
Doch so bald der Grillpapst stolz die erste Bratwurst schwenkt, begleitet von den Worten: Teller her, es kann losgehen…, ist der weitere Verlauf des Abends vorgezeichnet. Als Gast gilt es Haltung zu bewahren angesichts teilweise verbrannter Einzelstücke, die da serviert werden. Alle gucken etwas sparsam, sagen nichts und schneiden wie kauen drauflos. Doch der eine wie die andere wagt dann doch, die verbrannten Teile abzusäbeln und beiseite zu legen. Es gibt Einladungen, wo es geraten erscheint, vorher zuhause ein solides Schinkenbrot zu vertilgen, um sich dann später am Abend mit geschickten Ausreden an verbranntem und durchgegartem Grillangebot vorbei zu lavieren. Zur Ehrenrettung der Herren der Schöpfung sei gesagt, dass es auch wahre Meister des Grillens gibt. Aber bei Einladungen weiß man ja nie, was auf einen zukommt. Zur Info: Mein Mann besitzt keine Skelettschürze !

Vera Klose