Kolumne

19. Februar 2015

Vortrag Annehmbar, Benehmen Sechs – Setzen

Kolumne von Vera Klose

 

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Kleinigkeit am Rande: lässig, aber unhöflich

Jahren. Was geschehen war? Die Schülerin Klose referierte mühelos die ersten drei Verse von Schillers Glocke – was mir das in ferner Zukunft bringen sollte, konnte ich damals schon nicht nachvollziehen – hatte aber dabei beide Hände in den Hosentaschen. Natürlich hatten mir meine Eltern u. a. eingebläut, dass das gar nicht geht, man würde dadurch seinem Gesprächspartner nicht den nötigen Respekt erweisen. Recht hatten sie. Und haben es noch immer. Übertragen auf den frisch ins Amt gehobenen Finanzminister der Griechen – müssen wir da das gleiche annehmen? Wo auch immer der Mann auftaucht und mit jovialem wie verlegenen Lächeln auf seine wichtigen Gesprächspartner in der Europäischen Union trifft, wird die rechte Hand ausgestreckt und die linke bleibt fest in der Hosentasche. Sicher, bei dem ganzen Finanzdebakel um die Hellenen sicher nur eine Kleinigkeit am Rande, aber wie ich gemerkt habe – man spricht darüber. Die Politgrößen Europas ignorierten das geschmeidig, fit wie sie nun mal sind auf dem Parkett des internationalen Protokolls. Was will uns Varoufakis damit sagen? Unterschwellig, versteht sich. Seht her, auch wenn ich mich hier lässig gebe, weichen wir doch von unseren Forderungen nicht ab? Oder… ich bin ich und ich mache was ich will? Zu der Haltung hätte der Satz gepasst: Rüber mit der Kohle, wir Griechen brauchen Sie dringend! Es ist nicht anzunehmen, dass sich der neue griechische Finanzminister hinter verschlossenen Türen dergestalt yuppiehaft ausgedrückt hat wie er aufgetreten ist. Natürlich sind mit den Jahrzehnten die Benimmregeln lockerer geworden. Allerdings mehr in der – Entschuldigung – gemeinen Bevölkerung als auf diplomatischem Parkett. Auch wenn Sie, Herr Varoufakis, nicht wie ich, Schillers Glocke vor Herrn Schulz oder Herrn Schäuble zum Vortrag bringen mussten – so darf ich doch sagen: Benehmen sechs – setzen!

Vera Klose