Kirche

8. Oktober 2017

forever young

Die Cantate-Kirche 1967 - 2017
Pastor Fahrs Worte

Nun ist es also bald soweit: Die Duvenstedter Kirche wird 50 Jahre alt. Und man fragt sich unwillkürlich: Wird sie wohl auch 100? Die Duvenstedter Architektin Brigitte Eckert-von-Holst hat zusammen mit dem Hamburger Künstler Hanno Edelmann (+ R.I.P.) einen Kirchraum geschaffen, dem ein ganz besonderes Flair eigen ist. Ausstellungen, Konzerte, Gottesdienste, morgens, abends, mit Jugendlichen, mit Kindern, hochliturgisch oder mehr poppig, persönliche Feiern, Lesungen, Ausstellungen, Feste aller Art, sogar Abendessen und Imbisse haben wir unter dem großen roten Kreuz veranstaltet und es gut gehabt.

Von diesem Team gibt es noch zwei weitere Kirchräume: die Lukaskirche in Sasel und die St.-Gabriel-Kirche in Volksdorf. Die Lukaskirche feierte bereits Jubiläum, und die St.-Gabriel-Kirche ist im nächsten Jahr dran. Beide Kirchen werden voraussichtlich ihr Hundertstes nicht mehr erleben. Die Volksdorfer Dependance ist bereits aufgegeben worden, weil die Gemeinde sich die beiden Standorte (vormals drei), von denen einer, eben die St.-Gabriel-Kirche, doch sehr abgelegen ist, nicht mehr leisten kann und will. Es geht nun nur noch darum, was mit diesem so schön gestalteten Kirchenraum gemacht wird? Wird es eine Verwendung geben? Und wenn nicht, was dann?

Die Lukaskirche ist die Zweitkirche der Saseler Kirchengemeinde. Was aus ihr wird, vermag ich nicht zu sagen. Die Vicelinkirche liegt jedenfalls deutlich zentraler.

Wir mit unserer Cantate-Kirche haben nur eine einzige Kirche. Duvenstedt braucht nicht mehrere kirchliche Standorte. Dadurch scheint es, dass unsere Kirche nicht gefährdet ist und vielleicht als einziger Bau dieses Teams seinen 100. Geburtstag erleben könnte.

Das hängt allerdings von mehreren Faktoren ab: Wie entwickelt sich die Mitgliederstruktur in unserem Kirchenkreis Hamburg-Ost? Wieviele Pfarrstellen stehen unserer Region mit den vier Kirchengemeinden Ohlstedt, Lemsahl, Tangstedt und Duvenstedt in Zukunft noch zu? Diese Frage wird auf Kirchenkreisebene beantwortet werden. Wie entwickelt sich die finanzielle Situation? Und leider auch: Gibt es genug Pastorennachwuchs? Und: Wird unsere Kirche überhaupt noch gebraucht? Noch wichtiger: Schaffen wir es als Nordkirche, als Kirchenkreis Hamburg-Ost und als lokale Kirchengemeinden, die Botschaft des Evangeliums so auszurichten, dass Christen und Nicht-Christen davon angesprochen, dafür begeistert, getröstet, aufgebaut, motiviert und zu guten Taten angespornt werden?

Die Nachbargemeinden Wohldorf-Ohlstedt und Lemsahl-Mellingstedt reagieren auf den Druck dieser drängenden organisatorischen und strukturellen Fragen bereits mit Fusionsverhandlungen. Und auch wir sind angefragt worden, mitzumachen. Bisher haben wir auf dem Standpunkt gestanden, unsere Stadtteile im Nordosten der Hansestadt können jeder eine eigene Kirchengemeinde gut gebrauchen. Schließlich wollen wir persönlich für unsere Mitglieder und das Dorf da sein und suchen die größtmögliche Nähe, damit Gemeinschaft wachsen kann – aber es ist vollkommen ungewiß, wie lange wir diese Linie durchhalten können. Weil wir für vier Gemeinden nicht mehr vier Pastor/innen sind. Weil wir uns alleine unsere Gebäude irgendwann nicht mehr leisten können.

Im Laufe der nächsten Jahre werden wir uns diesen Fragen immer ernsthafter stellen müssen. Und trotzdem – oder gerade deswegen – wollen wir in diesem Jahr feiern. Das, was wir in diesem besonderen Raum bisher erleben durften. Das, was wir hier in Duvenstedt an uns und an unserer leuchtenden Kirche haben. Und das, was wir hier noch wollen. Mit Gottes Hilfe.

Es grüßt Ihr und Euer
Peter Fahr