Kirche

12. Dezember 2018

Wir träumen von Frieden und Harmonie – und kriegen es doch nicht hin.

„Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht“ (Kapitel 9 Vers 1) – ein Vers aus dem Propheten Jesaja, der zu Advent und Weihnachten in unseren Kirchen immer wieder gelesen und gehört wird.

Wie kommt der dazu, so etwas zu sagen? Und wer ist der Bursche überhaupt?
Wer Jesaja war, das wissen wir ungefähr. Er lebte im 8. Jahrhundert vor Christus und war ein Prophet, einer, der meinte, von Gott mehr zu wissen als andere.
Propheten – vielleicht könnte man sogar sagen: geistliche Narren. Männer Gottes, die der Wahrheit verpflichtet sein sollten – aber manchmal auch welche, dem die Könige vertrauten, weil sie sagten, was die Könige hören wollten. Das taten viele Propheten gerne, dem König Honig ums Maul schmieren, denn sie lebten davon und wurden dafür hofiert. Andere Propheten waren von diesen Einkünften nicht abhängig und sagten, was sie dachten, was sie meinten. Sie waren nur ihrem Gewissen, ihrem Ohr, ihrer Kenntnis der Heiligen Schriften verpflichtet. Sie nahmen kein Blatt vor den Mund und klagten etwa den König an wegen verkehrter Politik, wegen unheiliger Allianzen, wegen sozialer Ungerechtigkeit, wegen Übergriffen gegen die eigene Bevölkerung, wegen Bestechlichkeit und weiterer Vergehen, auch gegen Gottes Gebote.

Dass da ein neues Licht gebraucht wurde, ist vollkommen verständlich. Das ist heutzutage nicht anders. Dabei sind die Gebote Gottes nicht dafür da, uns zu unterdrücken, sondern uns eine Richtschnur an die Hand zu geben, an der wir uns entlanghangeln können – könnten.

Viele Menschen jedoch interessiert das herzlich wenig. Sie sehen nur, wie sie so viel wie möglich aus diesem Leben, aus dieser Erde, aus anderen Menschen herauspressen können: „Alles her zu mir“, ist ihre Devise. Das führt dann dazu, dass Gewalt und Gegengewalt, Egoismus und Ausbeutung von Mensch und Natur zu Ungerechtigkeiten und Elend führen.
Es gibt so viele beunruhigende Nachrichten, wir merken selbst, wie oft die menschliche Gesellschaft, Gemeinschaft, wie Familienmitglieder und Freunde, die ganze Schöpfung gegeneinander kämpft und gleichzeitig nach Erlösung und Frieden lechzt. Das äußert sich dann auf ganz rührende Weise im Internet, wo Werbefilmchen millionenfach geliked werden, die zum Thema haben, wie ein selbst benachteiligter Mensch sich für andere aufopfert. Wir freuen uns an Tierfilmchen, in denen die seltsamsten Freunde (Schwan und Karpfen, Ziege und Pferd, Reh und Hund, Tiger und Mensch) miteinander schmusen und in Frieden zusammen leben. Ach, wäre das schön …
Wir träumen von Frieden und Harmonie – und kriegen es doch nicht hin.

Und dann hören wir in der Kirche diese alte Prophezeiung: „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht; und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.“ Wovon redet der Prophet? Wir wissen es nicht. Vielleicht von irgendeinem Königssohn. Aber unseren Wissens war da nichts von Bedeutung. Wir haben keine Ahnung, was Jesaja meint. Nichts dergleichen hat sich damals ereignet. Wirklich nichts. Es bleibt ein Rätsel.

Sie können sich denken, welches Licht ich jedoch im Auge habe. Manche Propheten sprachen tatsächlich im Auftrag Gottes, ohne zu wissen, wovon sie redeten.

Und ich glaube fest: Sie redeten von Weihnachten, vom Beginn einer neuen Ära, einer lebendigen Beziehung zwischen Gott und Mensch. Die Ankunft Jesu in der Welt stellt diese Beziehung auf eine völlig neue Basis. Gott macht sich mit uns gemein, damit wir eine Perspektive haben, die über unsere Möglichkeiten hinausgeht. Das feiern wir an Weihnachten.

Es grüßt Ihr und Euer Peter Fahr (Pastor)

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