Kirche

8. Dezember 2017

DIE WELT GEHT UNTER!

Pastor Fahrs Worte

Es ist so schrecklich! Wie sollen wir uns denn auf Weih-nachten freuen, wenn das Fest unter derlei unzumutbaren Bedingungen gefeiert werden muss? Wie soll denn behagliche Stimmung aufkommen, wenn jetzt schon absehbar ist, dass das alles UNTER KEINEN UMSTÄNDEN was werden kann? Wie soll ich denn in einen besinnlichen Modus finden, wenn wir jetzt schon wissen, dass wir DREI TAGE HINTEREINANDER nicht einkaufen können? Wie konnte das passieren? Zum ersten Mal in unserem Leben sollen wir für DREI TAGE planen? Und das ausgerechnet zu Weihnachten? Und wenn dann unangemeldeter Besuch am zweiten Festtag kommt und ich NICHTS im Hause habe? Die Vorstellung schnürt mir jetzt schon die Kehle zusammen.

Und denken Sie nur an all die bemitleidenswerten Mitbürger, die bei uns in Duvenstedt weder Tiefkühltruhe, noch Kühlschrank, noch Keller, noch Speisekammer haben. Die sind vollends aufgeschmissen. Ich sehe schon ausgemergelte Gestalten im trüben Nieselwetter, die sich bar jeglicher Hoffnung von Haus zu Haus schleppen und um einen letzten Knochen von der Weihnachtsgans bitten, um sich am zweiten Weihnachtstag noch ein wenig an die zuvor schon so sparsame Nahrungsaufnahme erinnern zu können. Und ich sehe, wie verzweifelte Heerscharen beim Pastor klingeln, und auch der kann nur hoffnungslos und gramgebeugt mit den Schultern zucken, weil er und seine Familie spätestens anderthalb Tage nach Schließung der Läden vollkommen ausgemergelt sind und sie selbst nun auch nichts mehr im Hause haben.
Echt jetzt?
Nein.
Manchmal habe ich das Gefühl, für uns ist das Leben ir-gendwie ein Buffet. Ein riesiges Buffet – und wehe, es ist nicht mehr genügend Auswahl da. Selbst kurz vor Schluss muss noch die ganze Auswahl vorhanden sein, und wenn nicht, dann beschwere ich mich. Ich will alles und das sofort. Und kurz vor Schluss? Dann müsste doch alles weg-geworfen werden! Nicht mein Problem. Ich will alles. Das ganze Programm.
Das ist natürlich nicht nachhaltig.
Aber nach mir die Sintflut?
Hoffentlich nicht.
Was können wir tun?
Wir können einerseits unsere Verantwortung für dieses Leben und unseren Umkreis beginnen wahrzunehmen, nicht, weil wir das Himmelreich schaffen wollen, sondern weil uns daran gelegen ist, unseren Kindern einen einigermaßen lebenswerten Planeten zu hinterlassen. Und was Weihnach-ten betrifft? Was können wir tun, damit unsere Bemühun-gen um ein wirklich gelungenes Weihnachtsfest nicht ins Leere laufen und an solchen Fragen zerschellen?

Es ist vielleicht nicht sonderlich originell, aber ich empfehle sich daran zu erinnern, worum es zu Weihnachten eigentlich gehen soll: Das Wichtigste im Leben können wir gar nicht planen. Es kommt von allein. Wie Gottes Liebe in der Krippe. Wie der richtige Partner oder die richtige Partnerin im Leben. Wie unsere Kinder oder ein Glücksmoment. Das, was wirklich glücklich macht, kann man sich nur schenken lassen.

Wir können rechtzeitig vernünftig einkaufen, wir können einige Sachen vorbereiten, wir können dafür sorgen, dass wir ein bisschen was in petto haben, aber das, was Weihnachten wirklich ausmacht, kommt von Gott. Die Liebe. Das größte Geschenk, das wir also unseren Lieben und unserer Mitwelt machen können, ist unsererseits zu versuchen, mit Freundlichkeit und Liebe durch diese Festtage zu gehen und zu geben und zu nehmen …
Gutes Gelingen und schöne Festtage!

Es grüßt Ihr und Euer Peter Fahr