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11. September 2014

Starr und Stumm

klose

 

Kolumne von Vera Klose

Sie kennen das sicher, wie die Stimmung in Hotelhallen so ist…, angenehm zurückhaltendes Gemurmel in weitläufigen Lobbys, distinguierte Plaudereien in verschwiegenen Ecken, allenfalls hier und da ein etwas zu lautes Lachen, das aber gleich unterdrückt verhallt. Doch dieses stimmungsvolle Ambiente gibt es nicht mehr. Nicht etwa, weil der Hotelvorraum leer wäre, im Gegenteil, jeder Platz ist besetzt. Aber alle gucken auf ihre Tablets, Handys oder Pads – starr und stumm – es herrscht eine fast schon kathedrale Ruhe um einen herum, in diesen Zeiten ein Bild, das sich in allen Hotelhallen dieser Erde gleicht. Und leider nicht nur dort. Selbst zu Tische rückte hier neulich eine Familie an, der Vater mit Laptop, die Mutter wie die Kinder mit Handys, und alle waren durchgängig neben Bestellungen ihrer Essenswünsche, während späterer Nahrungsaufnahme sowie bei abschließender Espresso-Verkostung nur mit ihren Internetinteressen beschäftigt. Worte waren nur im Ausnahmefall zu hören, von so was wie einer Unterhaltung ganz zu schweigen – ein irrer Anblick, eine verrückte Impression. Irre wie traurig – jeder hält sich in seinen eigenen geistigen Räumlichkeiten auf, zu denen andere keinen Zutritt haben. Selbst die gute, alte Postkarte aus dem Urlaub hat ausgedient, sie ist zum Ladenhüter geworden. Wer schreibt schon noch Ansichtsgrüße aus den Ferien, wenn man schnell mal eine SMS oder Mail an die Lieben daheim versenden kann. Leider muss ich sagen, auch dieser kleine Gruß ist nicht auf eine Karte gequetscht, sondern als Mail übermittelt. Es ist ja so einfach. Leider wurde um mich herum nicht geschwiegen.

Vera Klose