Schlusslicht

8. Oktober 2017

Das ist gekauft!

Das letzte Wort hat Wulf Rohwedder

So, Renovieren ist angesagt – und damit endlich die Gelegenheit, all die Sachen einzusetzen, die man die vergangenen Jahre beim Discounter oder an der Baumarktkasse mitgenommen hat, weil die gerade so günstig waren und man sie bestimmt mal brauchen würde: Pinselsets, Abdeckfolie, Wandfarbe und dieses tolle Akku-Multiwerkzeug, das die ganze Arbeit praktisch von alleine macht. Eigentlich ist man doch bestens vorbereitet.
Wenn man denn alles wiederfindet. So ein Farbeimer verschwindet wenigstens nicht so einfach. Aber sein Inhalt kann zu einer klumpigen Masse mutieren, wie man sie sonst nur aus älteren Splatter- und Horrorfilmen kennt. Und ein Akkugerät möchte auch gerne einmal benutzt und wieder aufgeladen werden, damit sich der Energiespeicher nicht für immer verabschiedet – so wie bei dem XXL-Pack Batterien, das man als Sonderangebot mitgenommen hat, weil man Batterien immer mal braucht.

Also folgt trotz aller Vorsorge der Canossa-Gang in den Baumarkt, in dem die Dinge noch einmal zu regulären Preisen gekauft werden, die man sich vor einiger Zeit  schon so günstig besorgt hat. Und dort gibt es auch gleich dieses total billige Laminiergerät, das man zu dem Preis einfach mitnehmen muss, weil es immer mal was zu laminieren gibt. Deshalb hatte man das gleiche Teil vor ein paar Jahren bereits beim Lebensmitteldiscounter gekauft. Und dann im Schrank vergessen. Und dann wiedergefunden – ohne Gebrauchsanweisung. Und dann irgendwann mit dem genau einmal eingesetzten Brotbackautomaten als Elektroschrott entsorgt.

Doch warum kommt man an all diese unnützen Dinge? Eigentlich müsste man fragen, wie man sich vor ihnen schützen kann, denn sie sind allgegenwärtig. Kennen Sie jene Kaffeegeschäfte, die tatsächlich viel mehr als nur Bohnen verkaufen? Die haben sie, dem Vernehmen nach, wohl immer noch. Wer nicht gleich fündig wird, kann ja mal fragen. Ältere Angestellte wissen bestimmt, wo der Kaffee zu finden ist.

Dafür versprechen diese Läden jede Woche eine neue Welt und bieten Dinge an, von denen garantiert niemand gewusst hat, dass sie ihm bisher gefehlt haben: Bananenscheibenschneider, Flaschenöffner mit digitalem Zählwerk, wasserfeste Spielkarten – wie ist man bisher nur ohne diese Sachen ausgekommen? Inzwischen gibt es im Internet eigene Seiten, auf denen Menschen aus aller Welt bestaunen, zu welchen Höchstleistungen deutscher Erfindergeist immer noch fähig ist, wenn er jede Woche Kaffeegeschäfte bestücken muss. Und wirklich teuer sind die Dinger auch nicht. Kann man ja mal mitnehmen.

Ja, ich gebe zu: Ich bin Impulskäufer. Für Menschen wie mich sind die Grabbeltische beim Discounter, die Süßigkeitenauslagen an der Kasse und die Ein-Euro-Shops erfunden worden. Aber jetzt ist Schluss. Versprochen. Allerdings – wenn ich mir so meine Tastatur ansehe… da gab es doch diesen tollen neuen Tastenreiniger. Der muss noch sein. Weil ich den, den ich neulich gekauft habe, nicht wiederfinde.
Hat jemand Lust, eine Selbsthilfegruppe zu gründen?

Wulf Rohwedder