Kolumne

11. Februar 2016

Smoothies und Co.

Kolumne von Vera Klose

Wir lieben Enten- und Gänsebraten in jeder nur denkbaren Variante. Gerade vor Weihnachten hebt so ein köstliches Essen die vorweihnachtliche Stimmung ungemein, besonders wenn man dazu eingeladen ist. Und so standen wir auf der Matte bei unseren Freunden, in freudiger Erwartung eines wie jedes Jahr erstklassigen Gänsebratens sowie passend ausgesuchter Weine. Es versprach ein wunderbarer Abend zu werden – dachten wir. Schon zur Begrüßung wurde uns vom Gastgeber ein Getränk gereicht, das rein äußerlich mit dem üblichen Prosecco oder mit Sekt nicht das geringste zu tun hatte. In schlanken, hohen Cocktailgläsern befand sich eine trübe grünliche Flüssigkeit, auf dessen Oberfläche sich irgendein rötlicher Saft abgesetzt hatte. Wir mussten uns zusammenreißen, um unsere etwas sparsamen Blicke zu verbergen; man möchte ja nicht unhöflich sein. Der Gastgeber erklärte zögerlich, seine Frau hätte vor Wochen entschieden, dass sie nun gesünder leben sollten. Und wir hätten doch bestimmt nichts dagegen… könne man ja auch gar nicht, wenn es um die Erhaltung der Gesundheit ginge. Dann folgte ein Prost – mit Spinatcocktail samt Erdbeermousse. Ähh ja…nun denn – gesund… wie auch immer.

Smoothie nennt man das oder soll ich in dem Zusammenhang „Nouvelle Cuisine“ sagen ? Jedenfalls war es extrem gewöhnungsbedürftig, und ich sah meinem Mann an, dass er sehnsuchtsvoll an ein gepflegtes Helles dachte. Egal, wir bewahrten Haltung, es wurde nett geplaudert – nein, es durfte nicht nachgeschenkt werden, vielen Dank. Nebenbei wunderten wir uns nur, dass die Gastgeberin so ruhig mitplauderte. Ich an Ihrer Stelle wäre schon längst zwecks abschließender Vorbereitungen in der Küche verschwunden. Was dann zu Tisch gebracht wurde, hätte allerdings auch keiner umfangreichen Arbeit vorweg bedurft. Anstatt eines knusprigen Vogels aus dem Ofen wurde mit Grandezza ein Kartoffelauflauf serviert – gehaltvoll mit Pilzen und Zwiebeln angereichert. Sie wolle nicht immer so lange in der Küche mit den Vorbereitungen beschäftigt sein, so die Gastgeberin, sondern auch gern an unseren Aperitif-Gesprächen teilnehmen. Und außerdem sei fleischlose Kost ja soooo gesund. Verständlich – aber darum kurz vor Weihnachten Gästen einen Auflauf zu servieren ist eine Frage, über die zu diskutieren sich durchaus lohnen würde. Dazu gab es – Sie haben richtig geraten – einen Smoothie. Wenigstens bestand der nicht aus Spinat, sondern da war irgendwas mit Gurke samt schwimmender Scheibe obendrauf. Dieses Getränk relativierte jedenfalls den übermäßigen Thymiangeschmack des Gerichtes etwas, wenngleich auch
nicht in ausreichendem Maße. Lange Rede, kurzer Sinn: Der Abend war in gänsebratentechnischer Hinsicht eine Vollpleite.

Jedenfalls – kaum waren wir zuhause – holte ich als erstes eine Barbarei-Ente aus der Tiefkühltruhe, die uns am nächsten Tag mit allem versöhnte. Nein, es gab keinen Kartoffelauflauf dazu und auch keinen Zweig Thymian, sondern Rotkohl und Klöße. Wir haben nichts gegen Smoothies; sie können in einem heißen Sommer, so wir den hier im Norden mal haben, eine köstliche Erfrischung sein. Aber vor Weihnachten ?! Sorry, aber da sind wir auf Enten- und/oder Gänsebraten programmiert. Wer kann uns nicht verstehen ?

Vera Klose