Rundblick

11. September 2014

Einsatz für „Zahnärzte ohne Grenzen“ in Namibia

    Das Team vor Ort

Das Team vor Ort

Nach sieben Jahren im Ruhestand habe ich mich vor einem Jahr entschlossen, beruflich noch einmal aktiv zu werden und für die DWLF (Dentists without Limits Foundation – Stiftung Zahnärzte ohne Grenzen) in Namibia zu arbeiten. Ich kenne das Land bereits von mehreren Urlaubsreisen. Ermutigt zu diesem Schritt hat mich mein Sohn, der im Februar 2014 im Süden Namibias als Zahnarzt für die DWLF gearbeitet hat.

Ziel der DWLF ist es, Bedürftigen zu helfen, die keine Möglichkeit haben, sich zahnärztlich behandeln zu lassen, da sie in zahnärztlich und ärztlich völlig unterversorgten Gebieten leben.

Der Standort unseres Teams war das Grootfontein Hospital im Norden Namibias. Von hier fuhren wir in die entlegenen Dörfer im Nordosten. Unser Team bestand aus einer Zahnärztin, zwei Helferinnen und mir. Ein Fahrzeug wurde uns zur Verfügung gestellt. Behandlungsstühle, Stromgenerator, Behandlungseinheiten, Instrumente und Material mussten befördert werden.

„Wartezimmer“ in Tzumkwe

„Wartezimmer“ in Tzumkwe

Nach Sichtung des Materials – vieles war nur bedingt einsatzfähig – starteten wir am 11. 03. 2014 zu einem dreitägigen Outreach-Einsatz im Buschmann- und Hereroland nahe der Grenze zu Botswana. Plakate mit Angaben der Behandlungszeiten und dem Hinweis, frühzeitig zu kommen, kündigten uns an. Zahlreiche Patienten erwarteten uns bereits geduldig. Besonders beeindruckend waren die Frauen in Hererotracht.

Die Behandlung der Patienten im Outreach – viele von ihnen hatten noch nie einen Zahnarzt gesehen – beschränkte sich mit wenigen Ausnahmen darauf, zerstörte Zähne zu entfernen. Besondere Vorsicht war hier geboten, weil die Anzahl der HIV-Infizierten und an Tbc erkrankten Patienten im Norden Namibias extrem hoch ist.
Für die drei Tage in der ersten Woche waren sechs Behandlungsorte geplant, wobei eine Strecke von 800 km bewältigt werden musste. Dazu jeweils Auf- und Abbau der Geräte, Sterilisieren, Verstauen im Auto etc.

Behandlung in Otjituuo

Behandlung in Otjituuo

Im März ist in Namibia Regenzeit, die sich in diesem Jahr so ergiebig zeigte wie seit Jahren nicht mehr. In weiten Teilen hatte es seit mehr als einem Jahr keinen Tropfen geregnet. Farmer und Tierwelt waren überglücklich. Für uns bedeutete der Regen, dass wir die Strecken zwischen den Behandlungsorten auf Straßen, die sich in Flusslandschaften verwandelt hatten, zurücklegen mussten. „Riviere“, das sind in der Regel trockene Flussbetten, hatten sich in reißende Flüsse verwandelt.

Das Ende einer Dienstfahrt

Das Ende einer Dienstfahrt

Wir testeten immer wieder zu Fuß die Tiefe der Flüsse und Wasserlöcher, blieben aber schließlich auf dem Rückweg von der Hererosiedlung Gam in einem unüberwindlichen Wasserloch stecken. Eine Alternativroute gab es hier im äußersten Osten nicht. Hier endet die Welt. Handyempfang: Fehlanzeige. Gerettet hat uns ein LKW, das einzige Fahrzeug, das an diesem Tag noch auf dieser Strecke unterwegs war. Er schleppte uns aus dem Wasser.

Versuche, unseren Wagen zu starten, blieben erfolglos. Der LKW nahm uns bis zum nächsten Camp in Tsumkwe mit. Unser Fahrzeug wurde noch in der Nacht abgeschleppt und ins 350 km entfernte Grootfontein gebracht. Am nächsten Morgen wurden wir von einem Wagen des Gesundheitsministerium abgeholt.

Die Planung für die zweite Woche war entspannter. Wir haben Patienten in Grootfontein und Umgebung behandelt und Schulen besucht. Dort untersuchten und behandelten wir 300 Kinder und übten den Gebrauch der Zahnbürste mit Gruppen von zehn Kindern. Für viele absolutes Neuland.

Insgesamt haben wir etwa 1500 Zahnbürsten verteilt. Mitbringsel wie Fußbälle, Luftballons und Kugelschreiber lösten bei den Kindern Begeisterungsstürme aus.

Zahnputzübungen an der Kalenga Primary School

Zahnputzübungen an der Kalenga Primary School

Wir blicken am Ende auf zwei sehr arbeitsintensive und spannende Wochen zurück, haben vielen dankbaren Patienten geholfen und strahlende Kinderaugen gesehen. Wir verabschiedeten uns in der Überzeugung, einen sinnvollen Hilfsbeitrag in Namibia geleistet zu haben.

Die Organisation DWLF finanziert sich ausschließlich durch Spenden. Alle Mitarbeiter arbeiten ehrenamtlich und tragen alle Kosten selber. Die DWLF arbeitet in Ecuador, Israel/Westjordanland, Indien, Sri Lanka, Nepal, der Mongolei, Marokko, Sambia, Namibia, Rumänien und für Obdachlose in Deutschland.

Dr. Rainer Rathje