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30. Juni 2014

Säbelzahntiger

Was hat das Tier aus der Altsteinzeit mit der EU zu tun ? Kolume von Vera Klose

22SaebelzahnAuf den ersten Blick gar nichts. Das Thema ist zum Glück durch, sprich ausgestorben. Auf den zweiten Blick aber gäbe es eine Menge zum Thema „Raubtier“ zu sagen. Es geht um die

Wiederansiedlung von Braunbären, Wölfen und Luchsen in Westeuropa. Wie die EU-Kommission in Brüssel gerade enthusiastisch verkündete, sind die Bestände dieser Raubtiere in unseren Wald- und Wiesenbreiten „sogar wieder angewachsen und haben sich in Gebieten angesiedelt, in denen sie seit Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten nicht mehr vorkamen.“ Zitat Agentur AFP. Na toll. Um es deutlich zu sagen, ich habe keine besondere Neigung, bei einem erholsamen Waldspaziergang plötzlich Meister Petz gegenüber zu stehen, der sich sicher nicht wie im Dschungelbuch mit einem ausgerissenen Baum den Rücken schubbt, sondern in dessen Augen sich vielleicht meine Wenigkeit als appetitliche Nachspeise widerspiegelt. Und dass der Wolf sein Heil in der Flucht sucht bei Begegnungen mit Menschen, wird zwar häufig behauptet, das Gegenteil möchte ich aber nicht erleben. Schließlich ist er, wie erwähnt, ein Raubtier und sein Rückzugsraum im dicht besiedelten Westeuropa nicht allzu großzügig bemessen; in den Karpaten hingegen fallen der Flucht sucht bei Begegnungen mit Menschen, wird zwar häufig behauptet, das Gegenteil möchte ich aber nicht erleben. Schließlich ist er, wie erwähnt, ein Raubtier und sein Rückzugsraum im dicht besiedelten Westeuropa nicht allzu großzügig bemessen; in den Karpaten hingegen fallen ein paar Wölfe mehr oder weniger gar nicht auf. Vom Luchs mal ganz abgesehen. Vielleicht lässt sich mal so ein reizendes Tierchen vom Baum auf laufende Appetithappen fallen…

Wieso, bitte sehr, müssen diese Raubtiere hier bei uns wieder angesiedelt werden – auf heikle Begegnungen können wir, glaube ich, alle verzichten. Jedenfalls würde ich bei entsprechender Entwicklung der Populationen keiner Mutter mit Kleinkind zu einem ausgedehnten Waldspaziergang raten; da wird im Zweifel die Kinderkarre zum Rennwagen. Und auch der Kleingärtner wird einen Braunbären sicher nicht niedlich finden, der den gesamten, mühsam hochgepäppelten Kräutergarten aufwühlt. Vom Revierförster mal ganz abgesehen, dessen Teckel auf der Speisekarte von Braunbär, Luchs und Wolf ganz oben verzeichnet ist – mehr oder weniger. Auch haben zum Beispiel in einigen ländlichen Wohngebieten Kanadas Bären jede Scheu vor dem Menschen verloren und plündern begeistert wie intensiv reihenweise die außerhäuslichen Müllbehältnisse. Dann hätten wir also wie schon in einigen deutschen Großstädten nicht nur Ärger mit Waschbären und Wildschweinen, sondern auch mit müllschmatzenden Braunbären. „Mülltourismus“ von Ost nach West – vielleicht einmal ein ganz anderer Gedanke. Wenn sich Meister Petz in ausgewachsener Lebensgröße in den Auen der Kollau, im Schwentine-Tal oder in den Tarpenbek- Niederungen, blicken lässt, weiß ich Bescheid – Leute, stellt mindestens die Mülltonnen hoch, Kleinkinder zuhause lassen, Wälder einzäunen… Da kann man ja nur dankbar sein, dass wenigstens der Säbelzahntiger irreversibel verblichen ist. Sonst würde der auch noch wieder aufgepäppelt.

Vera Klose