Rundblick

15. Mai 2019

Redet nicht über­einander, sondern miteinander

Auf gute Nachbarschaft

Torsten Flomm, Vorsitzender Grundeigentümer-Verband Hamburg

„Zuhause ist es am schönsten“, so lautet vermutlich das bevorzugte Motto vieler Deutschen. Doch nahezu die Hälfte aller Mieter und Eigenheimbesitzer fühlen sich gelegentlich von ihren Nachbarn genervt. So haben sich kuriose Streitfälle längst als alltägliches Problem an Deutschlands Gartenzäunen etabliert. Ein recht unerfreulicher Trend, denn eigentlich kann ein Zusammenleben in unmittelbarer Nachbarschaft durchaus harmonisch verlaufen. Treffen jedoch Nachbarn mit gemischten Lebensauffassungen und Gewohnheiten aufeinander, kann Konfliktpotenzial entstehen. Die Gründe, warum zahlreiche deutsche Haushalte im Clinch liegen, sind vielfältig. Der Müll, der neben der Abfalltonne abgestellt wird, überdimensionierte Gewächse, die Schatten auf das Grundstück des Nachbarn werfen oder übelriechende Komposthaufen, sind nur wenige Punkte, die aus anfänglich guten Nachbarn erbitterte Feinde machen.

Doch ein besonderer Streitanlass regiert unangefochten auf Platz 1: Lärmbelästigung ist der häufigste Grund, warum Konflikte zu eskalieren drohen. So gesehen gerät der geruhsame Feierabend völlig aus den Fugen, wenn ein kontaktfreudiger Nachbar ungeniert nicht-angemeldete Partys feiert oder mit Fußgetrampel von oben den erholsamen Schlaf stört.

„In den meisten Fällen legt Lärm den Grundstein für Unstimmigkeiten, weil die Intensität der Lärmgeräusche als reine Auslegungssache behandelt wird“, betont Torsten Flomm, Vorsitzender des Grundeigentümer-Verbandes Hamburg. Während der liebe Nachbar die Musiklautstärke als angemessen einstuft, hat der Anwohner bereits das Gefühl in einer Diskothek zu leben.

Nach Ansicht des Grundeigentümer-Verbandes sind Toleranz, Rücksichtnahme und Kommunikationsbereitschaft maßgebende Bedingungen für die Aufrechterhaltung einer friedvollen Nachbarschaft. Es sei grundlegend falsch, in nachbarschaftlichen Konfliktsituationen jeglicher Art tendenziell nur noch übereinander, aber nicht mehr miteinander zu sprechen. „Jeder genießt das Recht, in seiner eigenen Wohnung oder seinem Haus ohne Beeinträchtigung lästiger Lärmgeräusche zu leben. Ist ein grundsätzlicher Wille zur Problemlösung beim Lärmverursacher zu erkennen, ist es wichtig, Kontakt aufzunehmen, damit dieser sich von der Intensität des Lärms überzeugen kann“, so Flomm. Falls eine sachliche Verständigung nicht möglich ist, erscheint das Gerichtsfahren mit Erhebung einer Unterlassungsklage zumeist als letzter Ausweg. „Ob die lang andauernden Verfahren zu einem befriedigenden Ergebnis für beide Parteien führen, hängt vom Streitgegenstand und der jeweiligen Persönlichkeitsstruktur der Streitparteien ab. Ich halte das Anstreben einer außergerichtlichen Lösung für sinnvoller“, rät der Verbandsvorsitzende.

Ist ein Streit entbrannt, werden Nachbarn sensibel und achten genau auf das, was der andere macht. Im drastischsten Fall greifen sie zu unfairen Mitteln. Statt Rachegelüsten nachzugeben, ist es ratsam, sich Unterstützung bei der Konfliktlösung zu suchen. Eine weitaus bessere und weniger nervenzerrende Alternative kann die Mediation sein. Hier geht es um die Beilegung eines Konflikts zwischen zwei Parteien mithilfe eines unabhängigen Vermittlers. Wenn beide Parteien bereit sind, sich einem Mediationsverfahren zu unterziehen, kann Mediation eine schnellere und nachhaltigere Lösung herbeiführen als ein Prozess vor Gericht. „Mediation ist darauf ausgerichtet, eine gemeinsame Basis für die Zukunft zu finden, während es bei einem Gerichtsverfahren nur um die Verhandlung des reinen Streitgegenstandes geht“, betont Flomm. Streit unter Nachbarn ist allgegenwärtig und nicht immer vermeidbar. Doch mit gegenseitigem Respekt, Rücksichtnahme und Toleranz kann man sich eine verlässliche Nachbarschaft aufbauen, die nicht jede Kleinigkeit auf die Goldwaage legt.

So vermeide ich einen Streitkonflikt:
Bleiben Sie kommunikativ.
Tragen Sie Ihr Anliegen diplomatisch vor.
Nehmen Sie gegenseitige Rücksicht.
Gehen Sie respektvoll miteinander um.
Kündigen Sie Partys, Grillfeste oder andere Vorhaben vorher an.
Unterstellen Sie Ihren Nachbarn keine böse Absicht.

Der Grundeigentümer-Verband Hamburg berät seine Mitglieder in allen juristischen Belangen, die grundstücksbezogene Fragen, Mietverhältnisse oder nachbarschaftliche Konflikte betreffen. Weiterhin führt er Mediationsverfahren durch.

Anja Junghans-Demtröder