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12. Dezember 2018

Polizeibericht vom Hamburger Kiez

Die etwas andere Weihnachtsgeschichte

In der Nacht des 24. auf den 25. Dezember führte die Polizei eine großangelegte Razzia auf dem Hamburger Kiez durch. Ziel der Polizeimaßnahme war, die Drogenszene einzudämmen und illegale Personen aufzugreifen. In den frühen Morgenstunden wurden die Beamten fündig.

In der Discothek „Nazareth“ fanden die Beamten in einem mit Holz verkleideten und mit Stroh ausgelegten Zimmer neben ein paar ungewöhnlichen Haustieren eine doch sehr junge Familie. Der Sozialdienst wurde sofort alarmiert. Die Mitarbeiter des Sozialdienstes fanden in einem handwerklich ungeschickt aus rohen Brettern zusammengezimmerten „Kinderbett“ einen männlichen Säugling, der von seiner offensichtlich minderjährigen Mutter hier anonym entbunden wurde, ohne ihn an eine Babyklappe zu übergeben. Die Frage, ob es sich hierbei um eine kindeswohlgefährdende Kurzschlussreaktion der unmündigen Mutter handelt, kann noch nicht abschließend beantwortet werden.
Die Mutter konnte zunächst als Maria H., 14 Jahre alt, ermittelt werden, auf die leider keine Vermisstenanzeige hindeutete.

Bei der Festnahme der minderjährigen Mutter, respektive bei der „Wegnahme“ des freundlich lächelnden Kindes im Hinterzimmer des „Nazareth“ versuchte ein junger Mann, der später auf der Wache als Joseph H. vorläufig identifiziert werden konnte, die Wegnahme des Kindes durch die Mitarbeiter des Sozialdienstes zu unterbinden, was durch die Beamten der Polizei verhindert werden konnte. Unterstützt wurde Joseph H. hierbei durch ein paar zwielichtige Gestalten. Zum einen Männer, denen man die häufige Übernachtung im Freien deutlich ansah. Die schmutzige, kaputte Kleidung ließ auf ein Berberleben auf den Straßen unserer Stadt schließen.

Zum anderen drei weitere Männer, deren äußere Erscheinung auf eine Herkunft aus dem mittleren Osten deutete. Diese extrem fein gekleideten Herren, die sich als „Weise“ bezeichneten, schienen jedoch Kiezgrößen zu sein. Ihre elegante Bekleidung ließ darauf schließen. Auch diese Herren wurden festgenommen. Ein Sprecher der Innenbehörde teilte mit, das alle Personen keinerlei Ausweise oder Reisepässe mit sich führten. Sowohl die Innenbehörde unserer Stadt als auch die Zollverwaltung sind auf der Suche nach der wahren Identität der verdächtigen Personen, die sich offensichtlich illegal in unserer Stadt aufgehalten haben.

Die Verdachtsmomente gegen die drei ausländischen Personen verstärkten sich nach der erfolgten Durchsuchung. Man fand bei ihnen Gold in nicht unerheblichen Maße, aber auch möglicherweise nach dem Betäubungsmittelgesetz verbotene Substanzen, die zur weiteren Untersuchung ins Kriminallabor überstellt worden waren. Dass es sich um unerlaubte halluzinogene Substanzen handelte, wurde eindringlich durch die Aussagen der „Berber“ untermauert, die davon sprachen, dass ihnen ihre Übersendung der Geburtstagsgrüße an den Säugling im hölzernen Hinterzimmer der Diskothek „Nazareth“ durch einem großen, goldbelockten, in ein weißes Nachthemd gekleideten Mann, der Flügel auf dem Rücken hatte, aufgetragen worden sei. Die wohl dümmste Ausrede bekiffter Junkies, die jemals als Erklärung für ihren Zustand genutzt worden war.

Der derzeitige Aufenthaltsort des Säuglings wird bis auf Weiteres von den Behörden nicht bekanntgegeben. Es scheint, als ob der gesamte Fall keiner schnellen Klärung herbeigeführt werden kann. Laut Sozialbehörde konnten bisher weder die wahre Identität der Mutter, noch die des mutmaßlichen Vaters des Säuglings einwandfrei ermittelt werden. Sicher scheint aber, dass der Mann, der seinen Beruf als Zimmermann angab, etwa 25 Jahre alt ist; die Mutter des Kindes definitiv noch minderjährig ist.

Die junge Frau wurde ins UKE zu medizinischen und psychiatrischen Untersuchungen überstellt. Die Untersuchung ihres Geisteszustandes wurde angeordnet, da sie behauptete noch Jungfrau zu sein, und der Säugling von Gott gezeugt sei. Nach Auskunft des zuständigen Professors der Psychiatrie ist dem Kindeswohl hier alles unterzuordnen. Die Beurteilung des Geisteszustandes der Mutter wird elementar für die weitere Vorgehensweise der Behörden sein. Sicher scheint auch, dass die junge Mutter unter dem Einfluss der Halluzinogene der drei angeblich weisen Männer stand. Die Leitung der psychiatrischen Abteilung des UKE kommt jedoch zu dem Schluss, dass alle beteiligten Personen nach eingehender Behandlung wieder zu normalen Mitgliedern unserer Gesellschaft werden können.

Inwieweit das auch auf den Säugling zutrifft, bleibt unklar, da der Einfluss der Halluzinogene auf die Entwicklung eines Säuglings nicht ausreichend erforscht ist. Vielleicht wird er ein großer Maler, Staatsmann oder Musiker. Es besteht aber auch die Gefahr, dass er sich als unseren Heiland sieht. Warten wir es ab.

Udo Cordes (muc)