Kulinarisches

11. Dezember 2018

Edle Tropfen im Wettstreit - Baden gegen Württemberg

Erstes Wein-Battle in der „Weinselection“

Weinliebhaberin Antje Bölle genoss gemeinsam mit Ehemann Horst den Abend.

Weinliebhaberin Antje Bölle genoss gemeinsam mit Ehemann Horst den Abend.

Über Geschmack lässt sich bekanntlich vortrefflich streiten. Umso besser, wenn ein Gläschen Wein dabei ist. Oder gleich zehn, wie beim ersten Wein-Battle, das der Duvenstedter Kreisel zusammen mit „Weinselection“ in Lemsahl veranstaltete. Zwei Winzer aus Baden-Württemberg ließen jeweils fünf ausgesuchte Rebengewächse gegeneinander antreten: Sabrina Roth vom Weingut Roth im württembergischen Happenbach und Philipp Rieger vom Bio-Weingut Rieger im südwestlich gelegenen badensischen Buggingen – beide extra für das besondere Wein-Event angereist. Junge, ehrgeizige Winzer, die mit Leidenschaft, Arbeitsfreude und innovativen Ideen renommierte Weingüter betreiben. Von der Qualität ihrer Weine absolut überzeugt, wähnten sie vorab den Sieg in der jeweiligen Tasche.

Doch statt wie gewohnt von einer Fach-Jury beurteilt zu werden, bekamen sie es mit 14 privaten Weinliebhabern wie Antje und Horst Bölle zu tun. „Als Weinkenner würden wir uns nicht bezeichnen, aber wir wissen, was uns schmeckt und lassen uns gerne von Marco Schumacher und seinem Team der ‚Weinselection‘ beraten – am liebsten haben wir Grauburgunder im Glas“, erklärten die Duvenstedter. Auch Anja und Marc Rausch aus Lemsahl waren gespannt, welche Qualitätsweine die Winzer aus dem Süden mitgebracht hatten.

Ring frei also für den weinseligen Schlagabtausch. Platz genommen wurde im rustikalen Ambiente des Genuss-
macherei der „Weinselection“ in bequemen

Knut Reher (r.), gewann mit seinem Tipp ein Wochenende auf dem Weingut Rieger.

Knut Reher (r.), gewann mit seinem Tipp ein Wochenende auf dem Weingut Rieger.

Ledersesseln an einer langen, einladend gedeckten Tafel, umgeben von edlen Tropfen in Flaschen, Kisten, Fässern, bis unter die Decke in Regalen verstaut.

In Runde eins gingen zwei 2017er Weißburgunder an den Start, die von den „Hobby-Schiedsrichtern“ mit Punkten von eins bis zehn bewertet wurden. Der Rebensaft gefiel; die Damen favorisierten das Weingut Rieger im linken Glas, die Herren das Weingut Roth auf der rechten Seite – je acht und sieben Punkte wurden notiert. Glatte zehn Punkte heimste der knusperdünne, ultra-leckere Flammkuchen vom benachbarten Restaurant „Flammkuchentraum“ ein.

Die Verkoster wurden mutiger in der Punktevergabe, die Stimmung gelöster.

Die Verkoster wurden mutiger in der Punktevergabe, die Stimmung gelöster.

Zum sensorischen Erlebnis gab es von den Experten Wissenswertes rund um den Weinbau, über Bodenbearbeitung, Rebsortenwahl und Unkrautbekämpfung. Auf die verzichtet Philipp Rieger, denn er setzt konsequent auf ökologischen Anbau. Das kam bei den Ehepaaren Bölle und Rausch an. Fruchtig, prickelnd wie Prosecco, so das Urteil über den 2016er Grauburgunder – acht Punkte. Das Weingut Roth kassierte sogar noch einen Punkt mehr. „Schön rund, gute Säure – könnte glatt meiner sein“, lobte auch Rieger das Cuvée aus Weiß- und Grauburgunder seiner Kontrahentin.

Die Verkoster wurden mutiger, die Stimmung gelöster. Dritte Runde, die Höchstdisziplin im Weinbau: Muskateller. „Die Trauben sind sehr anfällig für die Witterung und brauchen viel Fürsorge“, erklärte Phillip Rieger. Das sensible Schätzchen kam bei einigen nicht so gut an. „Das Geruchsaroma verspricht mehr als der Geschmack hält“, befand Horst Bölle. Fünf Punkte Roth, sechs Rieger – Einstand.

In der Kategorie Rosé dagegen begeisterten beide Weine, aber der Rieger’sche Saignée hatte die Nase vorn. „In der Nase ist er zwar unspektakulär, hat aber auf der Zunge ungemein Power“, so Antje Bölle, die zu gern mal bei der Weinlese helfen würde. „Die Arbeit in und mit der Natur fasziniert mich. Vielleicht lässt sich was machen, jetzt, wo wir die beiden Winzer persönlich kennenlernen dürfen“, hoffte die Duvenstedterin.

Sabrina Roth im Fachgespräch mit Thomas Staub (l.), Herausgeber des Duvenstedter Kreisel und Mitveranstalter der Weinbattle-Aktion.

Sabrina Roth im Fachgespräch mit Thomas Staub (l.), Herausgeber des Duvenstedter Kreisel und Mitveranstalter der Weinbattle-Aktion.

Zum Abschluss traten zwei Rotweine gegeneinander an: ein 2015er Cuvée von Rieger contra eine Fassprobe des 2017er Lemberger von Roth. „Der Rieger ist der Hammer“, platzte es nach dem ersten Schluck aus Marc Rausch heraus. Klare Sache auch für die Tischnachbarn: Höchstpunktzahl! „Davon nehmen wir im Anschluss einen Karton mit nach Hause“, versicherte Ehefrau Anja, „und dem jungen Roten von Roth gebe ich im nächsten Jahr eine Chance, der verspricht schon jetzt viel.“

Den Winzer-Wettkampf entschied nach Auswertung der Teilnehmerkarten Philipp Rieger knapp für sich, doch das war angesichts der großen Anzahl hervorragender Premium-Weine schlichtweg Nebensache. Und nicht nur für Knut Reher, der mit seinem Tipp am nächsten an der durchschnittlichen Siegerbewertung lag und ein Wochenende auf dem Weingut Rieger gewann, stand eines fest: „Ein absolut gelungenes Event. Beim nächsten Wein-Battle bin ich mit meiner Frau Diana sicher wieder dabei!“

Das nächste Wein-Battle findet am 28. März 2019 statt. Dieses Mal kommen beide Winzer-Kontrahenten aus dem Weinanbaugebiet Nahe, etwa 50 Kilometer westlich von Frankfurt/Main. Mildes Klima und fruchtbare Böden liefern die Grundlage für erstklassige Weißweine. Es treten an: Daniel Gemünden vom gleichnamigen Weingut in Bad Kreuznach. Seit dem 19. Jahrhundert baut seine Familie auf 27 Hektar Riesling, Weiß-, Grau- und Spätburgunder, Chardonnay sowie Silvaner an. Auch das gut 300 Jahre alte Weingut Tesch aus Langenlonsheim hat sich auf markanten Riesling, Weiß- und Spätburgunder spezialisiert. Dr. Martin Tesch bewirtschaftet rund 20 Hektar und hat sogar für die Punkrock-Band „Die Toten Hosen“ eigene Rieslinge kreiert.
Melden Sie sich bitte frühzeitig an, denn die Plätze sind begrenzt.

Claudia Blume