Kirche

15. Oktober 2018

Die Bibel ist ein vollkommen veraltetes Märchenbuch

Pastor Fahrs Worte

Wir sind uns doch einig: Kein Mensch glaubt an diese Geschichten, die uns da weisgemacht werden sollen. Ein einziges Märchenbuch. Und da das Buch an sich im Rückgang begriffen ist, weil es, wenn überhaupt, im Internet oder auf dem digitalen Lesegerät gelesen wird, ist die Geschichte mit dem meistverkauften Buch der Welt auch nicht mehr wirklich von Bedeutung. Wo es noch steht, staubt und gilbt es so vor sich hin.
Natürlich ist die Bibel auch ein Märchenbuch, das genauso vor sich hinstauben kann, wie Grimms oder Andersens oder Bechsteins oder Hauffs Märchen oder Chinesische Märchen, Märchen aus 1001 Nacht, Märchen aus aller Welt, Märchen dies und Märchen das.
Allerdings gäbe es all diese Bücher natürlich nicht, wenn es nicht doch auch immer wieder Interessenten dafür gäbe. Denn Märchen müssen nicht unbedingt die Realität beschreiben, aber sie sind natürlich spannende, symbolische Geschichten und bisweilen auch Geschichten voller Wahrheit. Natürlich haben Hänsel und Gretel nie gelebt. Aber die Familiengeschichte, die Bedrohung im Wald, der Mut, aber auch die Verdächtigungen gegenüber seltsamen Menschen und die martialische Bestrafung für die Hexe – das alles erzählt viel von uns. Aus diesem Märchen – nur ein Beispiel – erfahren wir allerlei über uns Menschen. Die Geschichte ist nicht real, aber sie ist in einem anderen Sinne natürlich wahr.
Natürlich wissen wir, dass es weder Hexen noch Teufel, noch Rumpelstilzchen, Goldesel oder andere sprechende Tiere gibt, dass niemand hexen oder zaubern kann, aber in diesen Geschichten kommen Erfahrungen, Ängste, Wünsche, Hoffnungen und viele menschliche Emotionen vor, in denen wir uns wiedererkennen. Märchen sind ganz große Klasse.

Natürlich ist uns vollkommen klar, dass Jesus nicht übers Wasser gelaufen ist
– oder aus wenigen Broten 5000 Leute satt gekriegt hat. Kein vernünftiger Mensch glaubt, dass Mose mit seinem Zauberstab einen Weg zwischen zwei Wassermauern geschaffen hat, genauso wenig wie wir uns vorstellen können, dass Maria persönlich von einem Erzengel besucht worden ist.
„Halt“, höre ich da einige rufen, „was machen Sie denn da? Wenn Sie mit der Bibel so umgehen, was ist dann mit unserem Glauben und der Auferstehung Jesu? Ist das denn auch so eine märchenhafte Geschichte mit höchstens symbolischer Bedeutung?“

„Sie machen doch alles kaputt!“
Zunächst einmal: Gott hat uns Verstand eingehaucht. Wenn ich den nicht verwende, dann lästere ich Gott. Warum tauchen heute keine Engel auf, wenn sie früher mit allen Propheten, Aposteln und weiteren Freundinnen und Freunden direkt verkehrt haben sollen? Warum geschehen in einer Zeit, in der wir die Regeln, nach denen die Welt funktioniert, erforschen können, keine Wunder (mehr)? Die Naturgesetze waren vor 2000 oder 4000 Jahren keine anderen. Die Genetik funktionierte genauso wie das Klima, die Chemie genauso wie die Schwerkraft. Die Menschen wussten es nur nicht.
Und sie haben wegen ihres andersartigen Weltbildes von ihren Erfahrungen anders berichtet. Sie haben andere Geschichten erzählt als wir erzählt hätten. Wichtig ist jedoch nur eines:

Was bedeuten diese Geschichten für uns?
Zum Beispiel die Geschichte, als Jesus über das Wasser ging und den Sturm beruhigte? Lassen Sie die Geschichte an sich heran und entscheiden Sie selbst: Könnte eine lebendige Beziehung zu Jesus die Stürme Ihres Lebens beruhigen? Die Jünger haben genau das erlebt und auf diese Weise lebendig erzählt.
Die Auferstehung scheint der Dreh- und Angelpunkt unseres Glaubens zu sein. Wenn sie nicht gewesen wäre, dann würde der christliche Glaube zur moralischen Anstalt verkommen. „Tu dies nicht, tu das nicht, mach dies, mach das.“ Aber das kann es doch nicht sein. Also wenigstens die Auferstehung muss doch wirklich passiert sein.
Ist sie natürlich auch. Aber selbstverständlich nicht als Naturwunder. Als Wiederbelebung eines Leichnams.
Ob das Grab wirklich leer war, weiß ich nicht. Die Frauen haben jedenfalls eine unglaublich Erfahrung gemacht, die ihnen deutlich machte: Jesus ist nicht tot.
Es wird berichtet, Jesus habe kurz nach seiner Auferstehung noch auf dem Friedhof zu Maria Magdalena gesagt: „Fass mich nicht an, ich bin noch nicht bei Gott im Himmel.“ Ein wichtiger Hinweis: Auch die Auferstehung ist kein „Naturwunder“. Gott hat die Naturgesetze nicht geschaffen, um sie immer dann über den Haufen zu werfen, wenn Gott uns etwas mitteilen will. Jesus ist in eine neue, eine himmlische Existenz übergegangen, die mit dieser Welt nicht kompatibel ist. Diejenigen, die das erfahren haben, haben von Auferstehung erzählt. Anders konnten sie sich diesen kurzen, die Welt verändernden Einblick in Gottes Welt nicht erklären. Jesus lebt bei Gott und ermöglicht uns eine eigene Beziehung zu Gott und eine Hoffnung auf ein Leben in Gottes Welt.
Möge diese Hoffnung auch Ihren Gang durch Herbst und Winter, durch Volkstrauertag und Totensonntag begleiten. Mögen Sie eine lebendige Beziehung zu Gott durch Jesus finden.

Peter Fahr (Pastor)