Kirche

5. Juli 2018

Die Kirche müsste mal…

Pastor Fahrs Worte

Kürzlich war Gemeindeversammlung, eigentlich die Vollversammlung aller Mitglieder unserer Kirchengemeinde. Der Kirchengemeinderat (KGR) legte Rechenschaft über das letzte Jahr ab. Die Besucher konnten erfahren, wie es um die Finanzen, den Baubestand und die Zukunft der Kirchengemeinde steht. Wir haben berichtet, welche Entwicklungen unseres Erachtens auf uns zu kommen – und die Gemeinde konnte in die Arbeit des KGR einbringen, was sie sich für unsere Kirchengemeinde wünscht. Was sollen wir tun? Wie wünschen Sie sich Ihre Kirche? Was wollen Sie nutzen? Was interessiert Sie nicht?

Interessiert sich überhaupt noch irgendwer für das, was wir hier machen?

Vielleicht hat Kirche mit Glauben überhaupt nichts zu tun. Wir sind nur so ein komischer Verein, der vor sich hinwurschtelt. Den man eigentlich nicht braucht, weil seine Veranstaltungen doch sehr „old school“ sind. Für den man schrecklich überhöhte Mitgliedschaftsbeiträge zahlen muss, nur damit man mal ein Kind taufen und konfirmieren lassen, einen Festgottesdienst oder irgendwann auch mal eine Beerdigung bestellen kann.
Ein Verein mit überteuerten Vereinsbeiträgen.

Viele Menschen denken so. Weil sie sich nicht vorstellen können, was Kirche zwischen den wenigen besonderen Ereignissen eigentlich bedeuten könnte.
Auch in Duvenstedt haben wir uns angewöhnt, dass Kirche eine Anbieterin von Veranstaltungen ist, die mit anderen Veranstaltungen konkurriert. Dennoch muss die Frage erlaubt sein: Wie haltbar ist das? Mit Rockkonzerten in Stadien, mit Gospelchorkonzerten in der Elphi, mit Events wie Straßenfesten in der Schanze oder dem Motorradgottesdienst vor dem Michel, mit dem Isemarkt oder Ausstellungen in der Kunsthalle, mit dem Freibadkonzert des Blasorchesters oder einem zünftigen Auftritt der Pipers können wir nicht konkurrieren. Selbst zum HSV in der 2. Liga werden mehr kommen als in normalen Sonntagsgottesdiensten bei uns erscheinen. Wir können mit der Eventindustrie, mit Lichtspektakeln und Toningenieuren, gar so einer Show wie beim ESC oder einer WM-Eröffnung definitiv nicht konkurrieren.

Es ist hoffnungslos.
Allerdings: Sollen wir eigentlich mit solchen Großveranstaltungen konkurrieren? Ist das unsere Aufgabe, mit schönen Events unsere Kirchen zu füllen, um unsere Daseinsberechtigung zu erkämpfen?
Wenn das so wäre, hätten wir diese Kirche längst schließen müssen. Für drei Weihnachtsgottesdienste, zwei Konfirmationen, fünf größere Beerdigungen und drei Hochzeiten ist dieses Unternehmen definitiv zu teuer.

Deswegen ist es wichtig, zu gucken, was Kirche kann, warum es sie geben muss, weil es nirgendwo sonst geboten wird, was die Kirche hat oder kann.

Dabei – und das ist nicht unwichtig – ist klar: Nicht wir Kirchenmenschen haben oder können etwas, was uns besser macht als andere Menschen. Vielmehr gibt es in der Kirche etwas, weil Gott es uns anvertraut hat. Oder noch besser: Wir sind hier in der Cantate-Kirche, weil Jesus uns gefunden hat. Wir sind hier, nicht weil wir hier etwas zu erwarten hätten, sondern weil wir etwas sind.

Wir feiern in der Kirche, dass Gott uns geschenkt hat, was wir sind: Kinder Gottes, Geschwister Jesu Christi, erlöst in einer unerlösten Welt, beschenkt mit Hoffnung über den Tod hinaus, berufen, die Liebe Gottes weiterzusagen und gegen den Hass, die Gewalt und den Egoismus dieser Welt die Liebe Gottes in Jesus Christus zu predigen.

Steile Sätze, die für viele Menschen hohl klingen.

Deshalb ist es unsere Aufgabe, die Kirche wieder mit Leben zu füllen.

Das funktioniert aber nur, wenn nicht alle, die zu Kirche eine Meinung haben, sich zurücklehnen und sagen: Die Kirche müsste mal. Das funktioniert nur, wenn alle, die sich von Kirche was wünschen, kommen und deutlich machen: Ja, wir wollen Kirche. Wir wollen dabei sein, wir wollen Kinder Gottes in dieser Welt sein.
Man kann das auch anders. Und niemand sagt, dass nur Kirchenchristen Kinder Gottes sein können. Nur: Das, was wirklich trägt und freut, kann man sich nicht selber sagen. „Ich liebe mich“ – das hält nicht lange vor. „Ich liebe DICH“ – das muss schon jemand anders sagen. Das ist bei den Kindern Gottes nicht anders. Und diese Botschaft der Liebe Gottes kann man nirgendwo anders hören als in der Kirche. Wir sind dazu da, diese Botschaft zu feiern. Wenn Ihr das wollt, dann kommt.

Liebe Grüße Peter Fahr (Pastor)